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17.08.2004

Fassungslos nach Gold-Kampf

Athen. Fassungslos stand Olympiasiegerin Yvonne Bönisch auf der Matte des goldenen Triumphes, und ihr Trainer Norbert Littkopf tanzte dazu. Das Judo-Leichtgewicht aus Potsdam schaffte gegen die turmhohe Favoritin Sun Hui Kye (Nordkorea) den Überraschungscoup und gewann die erste deutsche Goldmedaille in Athen.

"Ich konnte einfach nicht fassen, dass der Kampf zu Ende war und ich gewonnen hatte. Ich war so fertig", schilderte Bönisch das Ende eines dramatischen Kampfes, in dem die kleinstmögliche Judowertung Koka den Ausschlag zu Gunsten der Außenseiterin gab. Für die deutschen Judoka war es das vierte Gold nach Dietmar Lorentz (1980), Frank Wienecke (1984) und Udo Quellmalz (1996).

Olympiasieger in der 73-kg-Klasse der Männer wurde Won Hee Lee (Südkorea). Die schon dreimal in Athen siegreichen Japaner gingen leer aus. "Ich war EM- und WM-Zweite, nochmal Vize wollte ich wirklich nicht werden, habe ich vor dem Finale gedacht", sagte Bönisch, die gerade an Kye sehr schlechte Erinnnerungen hatte. Im WM-Finale 2003 unterlag sie der Atlanta-Olympiasiegerin, weil sie sich eine Minute vor Kampfende den Ellbogen auskugelte. Bänderriss inklusive. "Natürlich hatte ich Angst, aber ich wollte aggressiv sein und habe dann einfach nicht mehr daran gedacht. Ich bin für eine Medaille nach Athen gekommen. Alles hat perfekt geklappt."

Die drahtige Blondine aus Ludwigsfelde südlich von Berlin erkämpfte die 29. Olympiamedaille für deutsche Judoka und die zweite in Athen. Zuvor gewann Extraleichtgewichtlerin Julia Matijass (Osnabrück) bereits Bronze. Außerdem haben in Johanna Hagen (1996) und Anna-Maria Gradante (2000/jeweils Bronze) erst weitere zwei deutsche Kämpferinnen olympisches Edelmetall in ihren Besitz gebracht. "Der größte Tag in meiner Trainerkarriere", jubelte auch Bundestrainer Norbert Littkopf. Für den Coach war es ein verspätetes Geschenk zum 60. Geburtstag, den er kürzlich feierte.

Bereits in der Vorrunde hatte sich die ehemalige BWL-Studentin ("Im Moment konzentriere ich mich ausschließlich auf Judo. Das Studium werde ich wohl nicht wieder aufnehmen.") in bestechender Form präsentiert. Sie besiegte nacheinander Spaniens Sydney-Olympiasiegerin Isabel Fernandes, Jessica Garcia (Puerto Rico) und die japanische WM-Dritte Kye Kusabake. "Yvonne hat mich beeindruckt", lobte Littkopf schon zu diesem Zeitpunkt. Der Rest war riesiger Jubel im deutschen Team. (sid)

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