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Vom Olypm zum Traualtar

16.08.2004

Vom Olymp zum Traualtar

JUDO / Yvonne Bönisch wird ihren Heimtrainer heiraten. Er hatte ihr die Ehe versprochen, wenn sie Gold holt.

ATHEN. Der erste Jubel war ganz gedämpft. Zunächst erfolgte auf der Matte die rituelle Judo-Verabschiedung durch einen Diener für die unterlegene Gegnerin und den Kampfrichter. Erst dann, um 16:46 Uhr deutscher Zeit, ließ Yvonne Bönisch ihre Freude richtig heraus. Die 23-Jährige fiel Bundestrainer Norbert Littkopf um den Hals, stieß in Richtung des Heimtrainers Axel Kirchner auf der Tribüne helle Freudenschreie aus und machte schließlich mit gestreckten Armen und geballten Fäusten einen Luftsprung.

In der Ano-Liossia-Halle krönte sich die Potsdamerin gestern mit ihrem Finalsieg in der Klasse bis 57 Kilo über Weltmeisterin Kye Sun Hui aus Nordkorea zur ersten deutschen Judo-Königin bei Olympia. "Ich kann es einfach noch nicht glauben", sagte die Studentin wenig später, als sie im Pulk der Teamkameradinnen und Trainer gefeiert wurde.

Experten hatten die Athletin mit der blonden Kurzhaarfrisur durchaus auf dem Zettel des erweiterten Favoritenkreises. Doch wie die 1,68 Meter große, schlanke Frau die Konkurrenz beherrschte - das versetzte 4000 Zuschauer ins Staunen.

Vor allem im Finale überzeugte Yvonne Bönisch, indem sie der einen Kopf kleineren Sun Hui keine Chance ließ. "Ich habe nur gedacht, ich muss sie mir vom Hals halten, und ich darf keine Bestrafung bekommen", berichtete die erste deutsche Goldmedaillen-Gewinnerin der Sommerspiele 2004.

Mit ihrer Gegnerin hatte Bönisch unangenehme Erinnerungen verknüpft. "Ich hatte schon Angst, das muss ich zugeben", sagte sie. Denn vor einem Jahr, bei der WM in Osaka, verlor sie das Finale, weil sie gegen die aggressive Sun Hui eine Ellbogenverletzung erlitt.

Am Ende musste gestern schließlich die kleinste Wertung, ein Viertelpunkt (Koka), nach voller Fünf-Minuten-Zeit für den großen Triumph reichen. Die beiden sehr schnellen Kontrahentinnen waren höchst aktiv. Bönisch ging mit Waza-Ari in Führung, musste aber den Ausgleich zulassen.

Doch schließlich gewann die Potsdamerin verdient Gold - gegen eine Gegnerin, die 1996 Gold und 2000 Bronze geholt hatte und zweimal Weltmeisterin war. "Ich wollte nicht Geschichte schreiben, ich wollte nur gewinnen", sagte Yvonne.

Wohl nicht zuletzt, weil Axel Kirchner ihr ein besonderes Versprechen gegeben hatte. "Jetzt muss ich sie heiraten", verriet der 42 Jahre alte Sportlehrer mit Freudentränen in den Augen. Vor der Abreise hatte er seiner Freundin, mit der er seit fünf Jahren zusammen lebt, die Ehe versprochen, wenn sie Gold holt: "Das mache ich jetzt gern."

Um sich den olympischen Traum zu erfüllen, hat Yvonne Bönisch ihr Studium der Betriebswirtschaft ein Jahr unterbrochen. "Wenn ich etwas mache, dann richtig. Ich wollte gewinnen für Axel, für meinen Bundestrainer, für meinen Verein und für meine Freunde und Familie", sagte die Athletin. Am Ende Ende hatte alle gut lachen: zehn Mitglieder aus dem Heimatverein, ihre Eltern wie auch ihr Bruder sahen das Finale auf der Tribüne. (NRZ/dpa)

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